Co-Mediation erklärt

Blog · Juli 2026 · Sonderthema

Gemeinsam oder einzeln: Wann Co-Mediation den Unterschied macht

Von Frank Arnold und Ina Breiholz-Eberhardt

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Die Frage kommt regelmäßig: Warum arbeiten Sie eigentlich zu zweit? Kann das nicht auch eine Person allein?

Herr T. leitete ein Team von zwölf Mitarbeitenden auf zwei Führungsebenen in einer öffentlichen Einrichtung. Er rief bei uns an und beschrieb eine Situation, die sich anfangs kaum greifen ließ: Die Zusammenarbeit stocke, die Stimmung sei angespannt, aber er könne nicht sagen, woran es liege. Was sich in der ersten Sitzung zeigte, war das Ausmaß: Kommunikationsbrüche, fehlende Absprachen, verletzte Erwartungen quer durch alle Ebenen, die sich über Monate aufgebaut hatten.

Wir haben diesen Fall als Co-Mediationsteam begleitet. Und er zeigt deutlicher als viele andere, warum wir so arbeiten.

Was Co-Mediation bedeutet

Co-Mediation bedeutet, dass ein Mediatoren-Team gleichberechtigt zusammenarbeitet. Nicht als Haupt- und Assistenzperson, sondern als echtes Team. Eine Person führt das Gespräch, die andere beobachtet den Raum: Wer zieht sich zurück, wer ist angespannt, was wird nicht gesagt. In Pausen tauschen wir uns aus. Manchmal sieht einer etwas, das der andere im Gespräch nicht wahrgenommen hat.

Das Springer-Handbuch Mediation beschreibt Co-Mediation als besonders geeignet bei einer hohen Anzahl Beteiligter, bei hoher Eskalation und bei komplexen Fällen, in denen ein einziger Blickwinkel nicht ausreicht.

Zwei Perspektiven, die sich ergänzen

Frank Arnold

Öffentliche Verwaltung, Diplom-Geologe. Strukturen, Hierarchien, das Unausgesprochene hinter Sachebenen. Gewohnt, Dingen auf den Grund zu gehen.

Ina Breiholz-Eberhardt

Öffentlicher Dienst, sozialpädagogischer und pflegerischer Hintergrund. Beziehungsdynamiken, das was unter der Oberfläche liegt, Familiensysteme.

In einem Konflikt gibt es fast immer eine Sachebene und eine Beziehungsebene. Wir können beide gleichzeitig im Blick haben — und als gemischtgeschlechtliches Team schaffen wir für alle Beteiligten einen Raum, in dem sie sich gehört fühlen.

„Am Ende der zweiten Sitzung sagte eine Beteiligte: Ich hatte das Gefühl, dass ihr beide versteht, worum es geht — aber aus verschiedenen Richtungen. Das hat mir geholfen.“

Im Fall von Herrn T. hat das Team nach drei Sitzungen wieder miteinander gesprochen. Nicht als beste Freunde. Aber arbeitsfähig, respektvoll, mit klaren Absprachen für die Zukunft.

Quellen

Troja, M. (2017). Co-mediation. In T. Trenczek et al. (Hrsg.), Mediation und Konfliktmanagement. Handbuch (S. 366–372). Baden-Baden: Nomos.

Frank Arnold ist Mediator, systemischer Coach und Familienberater. Ina Breiholz-Eberhardt ist Mediatorin und systemische Beraterin. Beide begleiten Konflikte in Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und im privaten Bereich — gemeinsam oder einzeln, je nachdem was Ihre Situation erfordert.

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