Blog · Mai 2026
Was Konflikte wirklich kosten
Von Frank Arnold und Ina Breiholz-Eberhardt
Lesedauer: ca. 4 Minuten
Vor etwa anderthalb Jahren rief Herr S. bei Frank Arnold an. Er erklärte kurz, dass er Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens sei. In ruhigen, knappen Sätzen beschrieb er seine Situation: Er führe das Unternehmen seit zwölf Jahren gemeinsam mit einem Partner. Irgendwann sei etwas auseinandergegangen, er wisse nicht mal mehr genau wann. Jetzt kämen sie nicht mehr miteinander aus, und ihm sei klar, dass das so nicht weitergehen könne.
Was er nicht aussprach, aber was zwischen den Zeilen stand: Mit seinem Anruf hatte er lange gewartet. Zu lange, vielleicht. Und er ahnte es selbst.
In drei Mediationssitzungen erarbeiteten wir mit beiden Partnern gemeinsam eine Grundlage: Eine faire Übergabe, ein finanzieller Ausgleich, eine Einigung über alle offenen Punkte. Das Unternehmen hat überlebt. Beide Seiten trennten sich auf einer Basis, die sie selbst erarbeitet hatten. Ohne Gericht, ohne Eskalation.
„Ich wünschte, wir hätten das zwei Jahre früher gemacht.“
Was uns auch dieser Fall zeigt: Der eigentliche Schaden war nicht die Trennung. Der Schaden war die Zeit davor. Die Energie, die beide investiert hatten, um die Spannung zu managen statt sie zu lösen. Die Entscheidungen, die nicht getroffen wurden. Die Gespräche, die nie stattgefunden hatten.
Was das kostet, lässt sich messen
Wie viele Unternehmen stecken in einer ähnlichen Situation wie Herr S.? Die Antwort der Forschung ist ernüchternd.
Die KPMG hat 2009 gemeinsam mit der Hochschule Regensburg und der Fachhochschule Bern die bislang umfassendste Untersuchung zu Konfliktkosten in deutschen Unternehmen durchgeführt. Das Ergebnis: Konflikte kosten Unternehmen im Durchschnitt 20 Prozent ihrer jährlichen Personalkosten. Bei einer Lohnsumme von zwei Millionen Euro sind das 400.000 Euro im Jahr. Nicht in einem Krisenjahr. Im Durchschnitt.
20%
der Personalkosten gehen durch Konflikte verloren — jährlich
50.000 €
Mindestschaden durch verschleppte Projekte — bei jedem 2. Unternehmen
500.000 €
konfliktbedingte Ausfälle — bei jedem 10. Unternehmen
Diese Kosten erscheinen in keiner Bilanz. Sie verteilen sich auf andere Positionen und bleiben deshalb fast immer unsichtbar. Was man nicht sieht, managt man nicht.
Das britische Schlichtungsinstitut Acas hat 2021 erhoben, dass Konflikte britische Arbeitgeber mehr als 1.000 Pfund pro Mitarbeitendem und Jahr kosten. Und jedes Jahr kündigen allein in Großbritannien fast 500.000 Menschen ihren Job wegen eines Konflikts. Nicht wegen des Gehalts, nicht wegen der Aufgabe. Wegen der Situation.
Was Mediation dagegen setzt
Der Impuls, Konflikte auszusitzen, ist menschlich. Man hofft, dass es sich von selbst löst. Manchmal tut es das. Meistens nicht.
Mediation ist ein strukturierter Prozess, in dem Menschen, die nicht mehr miteinander sprechen können, wieder ins Gespräch kommen. Ohne Richter, ohne Urteil, ohne Gewinner und Verlierer. Die Lösung kommt von den Beteiligten selbst. Und wer selbst an einer Lösung mitgearbeitet hat, trägt sie.
Gerichtsverfahren
Bei einem Streitwert von 30.000 Euro schnell 8.000 bis 15.000 Euro an Anwalts- und Gerichtskosten. Dauer: Monate bis Jahre. Entscheidung von außen.
Mediation
250 bis 400 Euro pro Stunde, geteilt zwischen den Parteien. 3 bis 8 Sitzungen. Lösung von den Beteiligten selbst erarbeitet.
Viele Rechtsschutzversicherungen übernehmen Mediationskosten. Es lohnt sich, das vorab zu prüfen.
Herr S. wusste das, als er anrief. Er hatte nur zu lange gewartet, bis er es aussprach.
Quellen
Insam, A. et al. (2009). Konfliktkostenstudie. KPMG AG, Hochschule Regensburg & Berner Fachhochschule. | Saundry, R. & Urwin, P. (2021). Estimating the costs of workplace conflict. Acas Research Paper. | Zentrales Register für Mediatorinnen und Mediatoren. centralregister-mediation.de
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Passende Leistung
Frank Arnold ist Mediator, systemischer Coach und Familienberater. Ina Breiholz-Eberhardt ist Mediatorin und systemische Beraterin. Beide begleiten Konflikte in Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und im privaten Bereich — gemeinsam oder einzeln, je nachdem was Ihre Situation erfordert.
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