Blog · Oktober 2026
Erbstreit in der Familie: Warum es fast nie ums Geld geht
Von Ina Breiholz-Eberhardt
Lesedauer: ca. 4 Minuten
In meiner Arbeit begegnen mir viele Konflikte. Aber die Situationen, die mich am längsten beschäftigen, sind fast immer Erbkonflikte. Nicht weil sie so komplex wären. Sondern weil so vieles auf einmal auf den Tisch kommt.
Frau L. rief mich an, wenige Wochen nachdem ihre Mutter gestorben war. Sie und ihre zwei Geschwister steckten mitten in einer Auseinandersetzung um den Nachlass. Und dann sagte sie gleich zu Beginn etwas, das fast jeder sagt, der in dieser Situation zu mir kommt:
„Es geht eigentlich nicht ums Geld. Aber ich weiß nicht, wie ich das meinen Geschwistern erklären soll.”
Was wirklich auf dem Tisch liegt
Vier von fünf Erben erben in Deutschland nicht allein, sondern gemeinsam mit anderen. Geschwister müssen dann gemeinsam entscheiden, was mit dem Nachlass passiert. Und genau dann taucht auf, was über Jahrzehnte unter der Oberfläche lag.
Was hinter Erbkonflikten fast immer steckt: das Gefühl, von den Eltern weniger geliebt worden zu sein. Alte Ungerechtigkeiten, die nie ausgesprochen wurden. Anerkennung für das, was man geleistet hat, zum Beispiel jahrelange Pflege. Der Wunsch, das letzte Wort in einer lebenslangen Geschwisterdynamik zu haben.
All das bricht auf in einem Moment, in dem die Betroffenen ohnehin am verletzlichsten sind: in der Trauer, kurz nach dem Tod eines Elternteils.
Was in der Mediation möglich wird
In der Mediation nehmen wir uns Zeit, bevor wir über Zahlen sprechen. Wenn Geschwister anfangen, wirklich zuzuhören, verschieben sich Positionen. Nicht weil jemand nachgibt, sondern weil die eigentlichen Bedürfnisse sichtbar werden.
Frau L. und ihre Geschwister haben in vier Sitzungen eine Einigung erzielt, die alle drei tragen konnten.
Das letzte Gespräch über das, was eine Mutter oder ein Vater hinterlassen haben, sollte kein Streitgespräch sein. Das ist nicht das Erbe, das die meisten Menschen hinterlassen wollen.
Quellen
DIA (2023). Dossier Erbengemeinschaften. Nicht repräsentative Auswertung von rund 5.500 Kundenkontakten. dia-vorsorge.de
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Frank Arnold ist Mediator, systemischer Coach und Familienberater. Ina Breiholz-Eberhardt ist Mediatorin und systemische Beraterin. Beide begleiten Konflikte in Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und im privaten Bereich, gemeinsam oder einzeln, je nachdem was Ihre Situation erfordert.
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