Blog · September 2026
Trennung ohne Rosenkrieg: Was Kinder wirklich brauchen
Von Ina Breiholz-Eberhardt
Lesedauer: ca. 4 Minuten
Was Kinder bei einer Trennung brauchen, ist nicht das, was die meisten Eltern denken.
Herr B. schrieb mir im Erstkontakt eine kurze Nachricht. Er und seine Frau hätten sich getrennt. Zwei Kinder, sieben und neun Jahre alt. Die Übergaben seien kaum noch möglich ohne Streit. Er mache sich Sorgen um die Kinder, weniger um sich selbst.
Dieser letzte Satz blieb hängen. Weil er so selten ist.
In drei Sitzungen haben wir mit beiden Eltern gemeinsam einen Rahmen erarbeitet: klare Absprachen für die Übergaben, klare Kommunikationswege, klare Zeiten. Keine Lösung für alle Lebensfragen. Aber eine, die den Alltag der Kinder wieder ruhiger gemacht hat.
Was die Forschung zeigt
rund 122.000
minderjährige Kinder waren 2021 in Deutschland von der Scheidung ihrer Eltern betroffen
Nicht die Trennung
belastet Kinder am stärksten, sondern der anhaltende Elternkonflikt
Statistisches Bundesamt (Destatis) (2023) | Walper, S. (2006), zitiert nach: Fichtner, J. (2010)
Im Jahr 2021 waren in Deutschland rund 122.000 minderjährige Kinder von der Scheidung ihrer Eltern betroffen. Die Forscherin Sabine Walper vom Deutschen Jugendinstitut hat gezeigt, dass Elternkonflikte unabhängig von der Familienstruktur zu den stärksten Risikofaktoren für die kindliche Entwicklung gehören. Nicht ob die Eltern zusammen sind, ist entscheidend. Sondern ob sie als Eltern kooperieren können.
Kinder können eine Trennung verarbeiten, wenn die Eltern danach respektvoll miteinander umgehen. Was sie nicht verarbeiten können: wenn sie spüren, dass ein Elternteil schlecht über das andere denkt, wenn sie als Botschafter eingesetzt werden, wenn der Streit nicht endet, sondern nur eine neue Form annimmt.
Was ein Gericht nicht entscheiden kann
Ein Gericht entscheidet über Positionen. Wer bekommt die Wohnung, wer hat die Kinder wann, wer zahlt wie viel. Aber hinter diesen Positionen stecken fast immer tiefere Bedürfnisse: die Angst, den Kontakt zu den Kindern zu verlieren, der Wunsch, als Elternteil respektiert zu werden.
Neben meiner Mediationsausbildung bringe ich eine Zusatzausbildung in systemischer Familienberatung mit. Familienmediation braucht beides: die Struktur des Verfahrens und das Verständnis dafür, wie Familiensysteme funktionieren.
Das Wichtigste, was Eltern ihren Kindern nach einer Trennung geben können, ist die Erfahrung, dass ihre Eltern in der Lage sind, erwachsen miteinander umzugehen. Das ist das, was Kinder trägt.
Quellen
Statistisches Bundesamt (Destatis) (2023). Eheschließungen und Scheidungen. Wiesbaden. | Walper, S. (2006), zitiert nach: Fichtner, J. (2010). | Steinacker, L. M. (2017). Auswirkungen von elterlichen Konflikten bei Trennung und Scheidung auf die Entwicklung der Kinder. Bachelorarbeit, HAW Hamburg.
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Frank Arnold ist Mediator, systemischer Coach und Familienberater. Ina Breiholz-Eberhardt ist Mediatorin und systemische Beraterin. Beide begleiten Konflikte in Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und im privaten Bereich, gemeinsam oder einzeln, je nachdem was Ihre Situation erfordert.
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